Übergangswohnungen für Flüchtlinge

Neubau von Wohnbauten, Köln

Der Entwurf basiert auf einem einfachen Grundmodul mit max. 8 Wohneinheiten und einer zentralen Erschließungszone.  Jede Einheit ist zu zwei Seiten hin orientiert. Auch die Positionierung der Balkone auf den Ecken, ermöglicht unabhängig vom konkreten Grundstück immer eine vernünftige Belichtung der Wohneinheiten und Ausrichtung  der Freiflächen. Je nach Anforderung kann diese Grundeinheit allein stehen oder wiederholt werden und z. B. in Reihe (Standort A) oder in versetzter Anordnung (Standort B) einen größeren Gesamtbaukörper bilden. Andere Konfigurationen sind denkbar. Damit wird auf städtebaulicher Ebene eine hohe Anpassungsfähigkeit erreicht, mit der auf unterschiedliche Grundstückssituationen ohne weiteres reagiert werden kann. Gleichzeitig führt die Bildung von überschaubaren Einheiten (eher geringe Zahl von Einheiten pro Zugang) zur positiven Identifikation der Bewohner mit „ihrem“ Haus und damit zu sozialer Akzeptanz und Wertschätzung. Konfliktpotential kann bei kleineren Einheiten durch die Vergabepolitik der Wohnungen auf einfache Weise minimiert werden.

Dem Entwurf liegen ein Zimmermodul von ca. 14 m² sowie ein kompaktes Badezimmermodul zu Grunde. Lediglich die Schalträume in der Gebäudemitte haben einen anderen Zuschnitt. Die Organisation des Grundrisses ermöglicht 2-, 3-, 4- und 5-Zimmer-Wohnungen. Der Wohnungsschlüssel kann durch einfaches Trennen oder Zusammenfassen von Einheiten sowie durch die Zuordnung des Schaltraumes sehr flexibel an die Erfordernisse angepasst werden. Umbauten im eigentlichen Sinne sind dazu nicht notwendig. Es müssen lediglich im Mauerwerk vorgerichtete Türöffnungen geöffnet oder verschlossen werden bzw. Wandstücke ergänzt oder entfernt werden. Die betroffenen Wände (in Gebäudemitte und beidseitig der Schalträume) sind jeweils als mögliche Trennwände ausgelegt. Die große Wohnungen (4- und 5-Zimmer) verfügen auf Grund der Systematik der Grundrisse jeweils über zwei Bäder und eine große Küche mit Essplatz, während die anderen Wohnungsgrößen ein Bad und eine kleinere Küche mit Essplatz aufweisen. Jeder möglichen Wohnung ist eine Loggia zugeordnet sowie Abstellräume im Kellergeschoss.

Die zentrale Erschließung erlaubt sehr kurze Wege. Durch die Lage im Gebäudeinneren bleiben die wertvollen Fassadenflächen den Wohnungen und deren Belichtung vorbehalten. Durch ein großzügiges Oberlicht kann der Treppenraum trotzdem gut belichtet und zu einem attraktiven Raum werden. Durch die gewählte Konstruktion, die Materialien und die damit verbundenen Feuerwiderstandsklassen läßt sich der erforderliche bauliche Brandschutz ohne weitere Maßnahmen erfüllen. 

Die Häuser sind als einfache Mauerwerksbauten aus großformatigen Ziegel-Plansteinen mit Stahlbetondecken aus Halbfertigteilen (Filigrandecken) geplant. Tragende Bauteile sind im Wesentlichen die Außenwände sowie die Wände um den mittig angeordneten Erschließungskern, in dem auch die senkrechten Verteilerschächte der Haustechnik angeordnet sind. Damit bleibt eine hohe Grundrißflexibilität erhalten. Die gewählte Mischkonstruktion aus großformatigen Ziegelelementen und Stahlbeton ist grundsätzlich jeder Bauunternehmung geläufig, sodass für die Ausführung ein großes Bieterfeld in Frage kommt, das in öffentlichen Vergabeverfahren einen Wettbewerb sicherstellt und wirtschaftliche Angebote erwarten läßt. Zudem gewährleistet diese Konstruktionsweise eine zügige Bauausführung von Anfang an, da örtliche Arbeiten und Vorfertigungsvorlauf zeitlich miteinander verzahnt werden können.

Da die gewählten Hochlochziegel der tragenden Außenwände bereits ausreichende wärmedämmende Eigenschaften besitzen, ist im Bereich der Wände keine zusätzliche Dämmung erforderlich, hier wird sehr ressourcenschonend mit Luft gedämmt. Ein Verputz des Mauerwerks reicht aus, beschleunigt den Bauprozess durch den Wegfall von Arbeitsschritten und führt zu einem stabilen und gesunden Raumklima. Ferner ist die Fassade als monolithische und verputzte Mauerwerkswand platzsparend zugunsten der Wohnfläche, sehr robust und kann mit geringem Aufwand instandgehalten werden. Im Falle eines Rückbaus fallen keine Verbundstoffe an, die aufwendig getrennt werden müßten. Die Fenster werden als hochgedämmte Kunststoff-Fenster mit Dreifach-Isolierverglasung ausgeführt. Aus den Fensterbänken abgeleitete feine Gesimse gliedern die Fassaden und geben ihnen eine elegante und wertige Anmutung. 

Da die Gebäudehülle entsprechende den Vorschriften dicht ausgeführt wird, muß eine nutzerunabhängige Zwangslüftung vorgesehen werden. Dazu werden passive Lüfter in den Rahmen der Fenster integriert und sorgen feuchte-/temperaturgesteuert für einen Mindestluftwechsel, um Feuchteschäden und Schimmelbildung durch falsches Nutzerverhalten zu vermeiden. Die Lüftung funktioniert insofern als reine Abluftanlage, die durch Überströmung der Türen in den Bädern die verbrauchte Luft absaugt und dabei ggfs. gleichzeitig frische Luft über die Fassade ansaugt. Unabhängig davon erfolgt ein personenspezifischer Luftwechsel über manuelle Fensterlüftung.  

Die Beheizung (Fußbodenheizung) und die Warmwasserbereitung erfolgen zentral über einen einfachen gasbetriebenen Niedertemperatur-Brennwertkessel und werden durch eine thermische Solaranlage auf dem Dach unterstützt. Das Dach wird als extensives Gründach ausgebildet, das zur thermischen Trägheit des Gebäudes ebenso beiträgt wie zur Rückhaltung von Regenwasser.

Die Fassaden werden mit einem fein strukturierten Verputz versehen und stehen damit in der langen Tradition monolithischer verputzter Mauerwerksbauten, die in der Regel langlebig sind und deren Oberflächen trotz mit der Zeit einsetzender Patina würdevoll zu altern verstehen.

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